By Markus Tschiedert, Moviestar, November/December 2004
So sieht er also aus - der neue Batman! Mit dieser begehrten Heldenrolle könnte sich Christian Bale endlich von seinem Böse-Buben-Image befreien, das er sich mit Filmen wie AMERICAN PSYCHO und SHAFT aufgebaut hatte. Die Maske des Rächers steht dem 30jährigen Waliser ausgesprochen gut, doch zuvor ist er in dem düsteren Thriller THE MACHINIST zu erleben. Da spielt er einen psychisch kranken Mann, der sich weigert, Nahrung aufzunehmen. Das Resultat: Er wird von Tag zu Tag dünner. Auch Bale speckte für diese Rolle fast 20 Kilo ab. Als wir ihn in Berlin trafen, hatte er jedoch eher wieder zuviel Fleisch auf den Rippen.
Ist es so genanntes „Method Acting", wenn man sich so sehr in eine Rolle hineinsteigert und 20 Kilo abnimmt?
Nein, ich bin gewiß kein „Method Actor" und habe auch nie richtig verstanden, was damit gemeint ist. Wenn ich betrachte, wie ein Film gemacht wird, kann ich es gar nicht nachvollziehen, wie man seine eigene Persönlichkeit vergessen kann, wenn beispielsweise eine Szene ständig wiederholt werden muß, wenn man seine Sätze auswendig lernt oder sich eine Perücke aufsetzt. Das sind Prozesse, die dich immer wieder daran erinnern, daß du hier nur spielst.
Wie schafft man es, zuerst 20 Kilo abzunehmen und dann wieder zuzunehmen?
Ich kann Ihnen sagen, daß es viel einfacher ist, sich die Kilos wieder anzufressen, als sie zu verlieren. Ich war es, der dem Regisseur vorschlug, für die Rolle abzunehmen. Er meinte nur, er fände das großartig, wenn mir das gelingen könnte. Also ließ ich mich auf eine Diät ein. Der Anfang war am schwierigsten, weil dein Körper einfach darauf eingestellt ist, daß er bestimmte Nahrung bekommt.
Wie verrückt muß man dann sein, um für eine Rolle seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen?
Ich bin jemand, der sich gern herausfordert und seine Grenzen austestet. Ich hatte den großen Fehler gemacht, so weiter zu leben wie bisher. Also mußte ich alles vermeiden, was mich wieder zum Essen anregen könnte. Ich wollte gutes Essen noch nicht mal mehr riechen und traf mich deshalb auch nicht mehr mit Freunden. Ich gab mein soziales Leben auf, was besonders schwer war.
Wie verbrachten Sie die Tage?
Es stellte sich ein ganz anderer Rhythmus ein. Ich erlebte die ruhigste Phase meines Lebens, saß manchmal nur da und bekam es dabei bisweilen mit der Angst zu tun, ob ich mein Herz überhaupt noch schlagen höre. Das Komische war, daß ich in dieser Situation weder Aggressionen noch Leidenschaft verspürt habe.
Hat sich Ihre Frau denn keine Sorgen gemacht?
Ich kann mich erinnern, daß ich eines Morgens aufwachte, und meine Frau einen Spiegel unter meine Nase hielt. Sie wollte wissen, ob ich noch atme und lebe. Erst nach den Dreharbeiten spürte ich, daß ich zu weit gegangen bin. Mein Arzt war sehr besorgt und meinte, ich hätte die Konstitution eines 80jährigen. Danach fraß ich wieder alles in mich hinein, um wieder zu Kräften zu kommen.
Weil Sie wußten, daß Sie der neue Batman werden?
Um ehrlich zu sein, bin ich zur Zeit sogar ein bißchen dicker als gewöhnlich. Ich mußte mich einfach mal erholen, werde aber jetzt mit dem Muskeltraining anfangen, um ins Batman-Kostüm zu passen. Als ich für die Rolle vorsprach, schaffte ich noch nicht mal einen Push-up. Regisseur Chris Nolan schickte mich daraufhin zu einem Trainer, der mich anfangs an meinem T-Shirt hochziehen mußte. Es war keine einfache Aufgabe für ihn, mich wieder auf Vordermann zu bringen.
Wie viel wird BATMAN BEGINS mit den vorherigen vier Filmen gemeinsam haben?
Ich denke, unser Film wird sehr viel düsterer werden als die anderen. Das ist man schon der Figur schuldig, die psychologisch betrachtet doch ziemlich komplex ist. Auf diesen faszinierenden Punkt wurde bisher noch gar nicht richtig eingegangen. Man kennt von Batman bisher nur zwei Extreme, die aber beide sehr gut sind: auf der einen Seite ist die spaßige TV-Serie aus den 60ern mit Adam West in der Titelrolle, auf der anderen Seite existieren diese äußerst düsteren Comic-Bücher von Frank Miller.
Welche der bisherigen BATMAN-Verfilmungen gefällt Ihnen eigentlich am besten?
Ich bin kein Fan der Filme, sondern der Comics. Aber ich sehe BATMAN BEGINS auch nicht als den fünften Film der Serie. In gewisser Weise erfinden wir für die Leinwand gerade einen neuen „Batman".
Gibt es schon Pläne für weitere BATMAN-Filme?
Wir müssen doch erst einmal abwarten, wie BATMAN BEGINS ankommen wird, und dann ist da noch die Frage, ob man mich für weitere Filme braucht. Als ich das Angebot bekam, dachte ich nur, man könnte aus BATMAN wirklich einen guten Film machen. Als ich dann hörte, daß Chris Nolan (MEMENTO, INSOMNIA) Regie führen würde, wußte ich, das ist keiner, den man erwartet hätte. Insofern denke ich, werden wir einen überraschenden Film bekommen.
Es heißt, Pierce Brosnan darf nicht mehr Bond spielen, weil er zu alt ist. Sie sind oder waren einer der heißesten Kandidaten für die Nachfolge...
Hey, ich werde Batman spielen! Da kann man schlecht auch noch zu Bond werden. Ich kann auch nicht verstehen, warum man jetzt unbedingt einen jüngeren Darsteller haben will. Was den Charme von Bond ausmacht, ist doch gerade, daß er in einem Alter ist, alles besser zu wissen.
Sie haben in letzter Zeit viele Psychopathen gespielt. Was reizt Sie daran?
Es wäre schade, wenn mich die Leute nur noch als neuen Norman Bates wahrnehmen. Denn ich habe auch viele andere Charaktere verkörpert, an die man sich genauso gut erinnern sollte. Vielleicht hilft mir Batman weiter, anders bemerkt zu werden. Obwohl: Batman ist ja auch ein ziemlich dunkler Geselle.
Sind Sie persönlich eher düster oder humorvoll veranlagt?
Ich würde sagen, ich habe einen schwarzen Humor (lacht).
Würden Sie sich nochmals auf ein so gefährliches Unterfangen wie für THE MACHINIST einlassen?
Ich würde vorher zumindest ganz vorsichtig darüber nachdenken, ob ich so eine Rolle nochmals spielen würde. Ich sehe heute keine Notwendigkeit mehr, so extrem zu werden wie ich es für THE MACHINIST getan hatte. Es müßte dann schon ein ganz besonderer Film sein. Wahrscheinlich würde ich mir heute wie ein Dummkopf vorkommen, wenn THE MACHINIST ein schlechter Film geworden wäre. Aber das kann man glücklicherweise nicht behaupten.